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Channel: Kommentare zu: Gesellschaftliches Marodieren
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Von: Wolfgang Oesters

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Leider bin erst sehr spät (wir schreiben nun 2015) auf den obigen Artikel aus dem Jahr 1999 gestoßen; er gefällt mir ausgezeichnet und er ist heute meines Erachtens sogar noch aktueller und wichtiger, als er es damals schon war. So kann ich nur hoffen, daß er heute die Beachtung findet, die er eigentlich verdient! Ich jedenfalls bin davon so angetan, daß ich zu seiner Ergänzung im Folgenden auch noch ein paar Gedanken meinerseits hinzufügen will:

Im Zusammenhang dem, was der Autor in seinem Aufsatz oben über das gesellschaftliche Marodieren geschrieben hat, würde ich viele meiner Mitmenschen auch gerne einmal dazu anregen, etwas genauer über ihre Teilnahme am heute angeblich unumgänglichen Wettbewerbszwang innerhalb der Wirtschaftswelt nachzudenken, und ganz besonders dabei sowohl über die dabei eingesetzten Mittel, wie auch die längerfristig inzwischen nur allzu oft bedenklichen Folgen bei der ganzen jeweiligen Geschichte:

Firmen wie auch der Einzelne stehen heutzutage in ständigem Konkurrenzdruck; wer sich bei einer Firma um eine Anstellung bemüht, muß sich daher (angeblich!) darüber im Klaren sein, daß er „spätestens ab Arbeitsbeginn zu einer fest eingeschworenen Gemeinschaft gehört, die sich mit allen Mittel am Markt durchzusetzen hat“. Gesetzliche Bestimmungen sind dann zwar (möglichst!) einzuhalten, dabei aber auch echte Moral an den Tag zu legen erscheint dem ganzen Geschäft hingegen nur allzu oft unzuträglich.
Was aber ist daher vielfach die Folge? Zunehmend verbissen und mit auch oft sehr sehr fragwürdigen Mitteln wird dann – nicht etwa nur gegen die äußere, sondern auch innere Konkurrenz gekämpft, und – mehr noch, werden unter Umständen auch die Kunden „nach Strich und Faden“ betrogen, denn Moral und Skrupel gelten vielfach nur noch als lästige Hindernisse für einen durchschlagenden (!!!) Geschäftserfolg. All dies findet innerhalb des Wirtschaftskreislauf längst auch noch immer mehr Nachahmer und wird je nach Geschäftsbetrieb in unendlichen Varianten modifiziert.
Sollten sich die vielen Teilnehmer an einem solchen Geschäftsmodell, auch wenn sie von ihrer eigenen „Kreativität“ auf diesem Gebiet sehr erfolgreich sind – aber nicht einmal auch die Frage stellen, wie oft sie dieser Unsitte zufolge auch zum Opfer solcher Machenschaften werden?
Und noch ein wenig weiter gedacht: Nach diesem Modell wird letzter „Sieger“ der, der am Schluß das meiste Kapital, den höchsten Gewinn erzielt hat. Was aber nützt es einem solchen „Sieger“, wenn am Ende alle anderen Teilnehmer wirtschaftlich (und damit auch existentiell) zerstört am Boden liegen? – (Es gibt speziell zu diesen Überlegungen hier auch einen oscar-prämierten Kurzfilm namens „Balance“, von den Brüdern Wolfgang und Christoph Lauenstein gedreht, der das auch auf sehr anschauliche Weise zeigt. Dieser überaus sehenswerte Film dauert ca. 8 Minuten und kann auf Youtube angesehen werden.)

Ich habe schon oft über die von mir oben beschriebenen Probleme nachgedacht, komme aber immer wieder aufs Neue zu der Überzeugung, daß solches Verhalten – auch wenn es nicht direkt als kriminell zu bezeichnen ist, ebenfalls dem außerordentlich schädlichen PHÄNOMEN BANDENBILDUNG zuzurechnen ist, denn was Anderes tun so viele Menschen längst im Berufsleben, wenn nicht – daß sie Hand in Hand mit Ihren Kollegen andere Wirtschaftssubjekte, egal ob Konkurrenz oder jeweiliger Kunde auf unterschiedlichste Weise bis fast zum verbotenen Betrug hin drangsalieren!
Vieles an heutiger Gefahr geht also längst nicht nur von den offensichtlich auf kriminelle Weise handelnden Menschen aus, auch viele angeblich ganz normale und als anständig geltende Bürger sind mehr oder weniger von dieser offenbar ansteckenden Krankheit betroffen. Traurigerweise sind dabei immer häufiger auch Leute darunter, die sich in ihrem Privatleben tadellos verhalten, sich aber im Geschäftsleben durch Einschüchterung, vielfache Konkurrenz oder gar beides zusammen – wider ihr durchaus besseres Wissen – zu rücksichtslosem Handeln gezwungen sehen, und eine weitere wichtige Ursache dafür stellt wohl auch die inzwischen leider so weitverbreitete mangelnde Solidarität dar.


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